Bildungsziele
Der Griechischunterricht vermittelt den Schülerinnen und Schülern grundlegende Kenntnisse der altgriechischen Sprache sowie Einblicke in die indoeuropäische Sprachfamilie und wenn möglich in das Neugriechische. Sie entdecken im Griechischen eine Sprache, die sich durch Anschaulichkeit und Lebendigkeit auszeichnet. Der Griechischunterricht lässt sie die Geschichtlichkeit von Sprache begreifen und macht ihnen die Strukturen der Sprache, der fremden wie der Erstsprache, bewusst. Die Jugendlichen erkennen daraus, dass jede Sprache und jede Zeit die Wirklichkeit auf ihre eigene Weise fasst und somit jede Übersetzung bereits eine Interpretation ist.
Im Griechischunterricht erkennen die Jugendlichen, wie die griechische Kultur - in Literatur, Philosophie, Kunst und Religion - als Grundlage der europäischen Kultur bis heute nachwirkt. Dadurch gewinnen sie ein besseres Verständnis der modernen Welt. Andererseits erwerben sie durch die Begegnung mit der andersartigen griechischen Welt auch eine kritische Distanz zu ihrer eigenen Zeit.
Das Denken der Jugendlichen wird angeregt und erneuert durch die Fähigkeit der Griechen, die eigenen Traditionen, Haltungen und Errungenschaften kritisch in Frage zu stellen.
Die verschiedenen Wissensbereiche, die sich heute auseinander entwikkelt haben, waren bei den Griechen noch eng verbunden. Der Griechischunterricht macht durch das Denken über die Fachgrenzen hinaus und durch Zusammenarbeit mit anderen Fächern den Jugendlichen diese Zusammenhänge wieder bewusst.
In bewusster Abgrenzung zum Unterricht in der Erstsprache und in den modernen Fremdsprachen stellt der Griechischunterricht die aktive Sprachbeherrschung zugunsten der Sprachbetrachtung in den Hintergrund. Diese Sprachbetrachtung erweitert einerseits das Verständnis von Sprache überhaupt, anderseits erleichtert sie das Erlernen moderner Fremdsprachen. Dazu fördert die Vielschichtigkeit der griechischen Sprache die geistige Beweglichkeit.
Griechisch erleichtert den Zugang zum europäischen Denken, weil es zu dessen Anfängen führt. Die Schülerinnen und Schüler entdecken ein fremdes und somit relativierendes Empfinden und Denken, das nicht von einer übermächtigen Tradition belastet ist.
Der Unterricht hilft wesentliche Eigenschaften der griechischen Kultur entdecken:
- eine unerhörte Lebenskraft, Vielgestaltigkeit und Originalität,
- das Staunen und Erkennenwollen (Neugierde) auf allen Gebieten,
- die Freude an der geistigen Auseinandersetzung mit der Welt,
- den sicheren Blick für das Wesen einer Sache,
- das Wissen um die dauernde Gefährdung des Menschen durch seine Hybris,
- das Bewusstsein für die Inhärenz des Tragischen im menschlichen Leben,
- das Streben nach Mass, Mitte, Bescheidung und Zurückhaltung.
Gerade die heutige Erkenntnis, dass nicht mehr alles getan werden darf, was machbar ist, dürfte der alten griechischen Forderung nach dem Mass in allen Dingen ein besonderes Gewicht geben.
Der Griechischunterricht fördert den Sinn für die Gesetzmässigkeiten künstlerischer Gestaltung in Literatur und bildender Kunst.
Der Griechischunterricht führt die Schülerinnen und Schüler zum Originaltext des Neuen Testaments und zum Gedankengut des frühen Christentums.
Die Suche nach grundlegenden Konstanten in oder hinter dem vielfältigen Einzelnen ist charakteristisch für die Haltung der griechischen Philosophen gegenüber der Welt. Der Rückgriff auf die Anfänge des wissenschaftlichen Denkens zeigt den Schülerinnen und Schülern den Sinn der Wissenschaft: Verstehen der Welt. Dieses Verstehen will die Freude an der Welt vertiefen und bewahren.
Im Griechischunterricht geht es somit um die geistigen Werte, welche dem Leben einen Sinn geben und welche die geschichtlichen Perioden überdauern. Die Beschäftigung mit diesen Werten hat Aristoteles mit dem Begriff Musse (gr. schole, davon Schule!) umschrieben.
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